Alle Artikel in der Kategorie “Kolumnen

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Unsere Demokratie ist nie fertig (BaZ)

Kolumne „Rotstab“ in der Basler Zeitung, 11. April 2017

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von Adil Koller

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Wirklich viel Historisches ist in meiner Heimatgemeinde Münchenstein bisher noch nicht passiert. Zwar, der bisher einzige Baselbieter Bundesrat kam von hier, Ende des 19. Jahrhunderts war der Freisinnige Emil Frey Mitglied der Landesregierung, und obwohl er in Arlesheim geboren wurde und auch dort starb, war die Münchensteiner Bevölkerung so stolz auf ihn, dass sie eine Hauptstrasse nach ihm benannte. 1980 kam noch die Queen für einen kurzen Besuch in die Brüglinger Ebene, um einen Baum zu pflanzen, seither nennen wir das Gebiet Grün 80. Damit hat es sich aber mit den grossen historischen Ereignissen. Weiterlesen

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Brillantes Manöver (BaZ)

Kolumne „Rotstab“ in der Basler Zeitung, 28. März 2017

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von Adil Koller

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Vor zweitausend Jahren, im Römischen Reich, beschäftigten die Mächtigen das Volk mit «Brot und Spielen». Eine gerissene Ablenkungsmethode, das Volk wird mit Unterhaltung bei Laune gehalten, das wirklich Politische der öffentlichen Kontrolle entzogen. Die Mächtigen werden immer mächtiger und niemand interessiert sich dafür. Später, im 16. Jahrhundert, empfahl der italienische Philosoph Niccolò Ma­­chiavelli den Fürsten und Königen eine andere Taktik: Unter dem Leitspruch «Teile und Herrsche» sei eine zu beherrschende Gruppe in verschiedene Untergruppen mit möglichst widerstrebenden Interessen aufzuspalten und gegeneinander auszuspielen, damit sich diese gegenseitig bekämpften. Niemals sollen sie auf die Idee kommen, sich vereint gegen die herrschenden Mächtigen zu wenden. Gemeinsam ist den beiden Strategien die Ablenkung der Beherrschten: Um die wahren Probleme soll es nicht gehen, die Macht der privilegierten Elite soll unberührt bleiben vom Zorn des Pöbels. Weiterlesen

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Das Gesetz bestraft die Tüchtigen (BaZ)

Kolumne „Rotstab“ in der Basler Zeitung, 14. März 2017

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von Adil Koller

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In meinem ersten Semester an der Universität belegte ich bei einer jungen Ökonomin ein Seminar zum Thema Gleichstellung. Sie war seit Kurzem Nationalrätin, eine brillante Denkerin und sie – das kann ich durchaus so sagen – öffnete uns mit diesem Seminar die Augen. Nach den vielen gelesenen Studien ist allen Teilnehmenden klar: Die fehlende Gleichstellung der Geschlechter ist nicht einfach ein allgemeines soziologisches Phänomen, sondern unter anderem auch eine schlichte Folge von ökonomischen Fehlanreizen. Weiterlesen

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Verstaubte Lorbeeren (BaZ)

Kolumne „Rotstab“ in der Basler Zeitung, 28. Februar 2017

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von Adil Koller

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Während die Kolleginnen und Kollegen aus Basel-Stadt ihren ersten Grossratstag recht emotionslos beginnen – da wird man gewählt oder rückt nach, setzt sich in den Ratssaal und dann beginnt das Ganze halt –, ist das im Baselbiet ein klein wenig mehr Arbeit. Das Landratsgesetz schreibt vor, man habe zu geloben, Verfassung und Gesetze zu respektieren, das Amt gewissenhaft auszuüben. Das finde ich gut. Und wer auf die Anlobung verzichtet, verzichtet sogleich auf das Amt, so steht das im Gesetz.

So war der Start in meine neue Aufgabe als nachgerückter Landrat am letzten Donnerstag fast ein wenig feierlich, vielleicht als Vorschuss und Kompensation für all das, was an diesem Tag noch so folgen sollte. Denn wenn die FDP Baselland ein Gutachten zum Thema Universität erarbeiten lässt, danach sieben Vorstösse dazu einreicht, 40 bis 60 Millionen bei der Hochschule kürzen will, die Studierendenzahl beschränken und die Gebühren erhöhen möchte, dann nimmt sich das Baselbieter Parlament Zeit für eine ausführliche Grundsatzdebatte. Und diese Grundsatzdebatte zeigte exemplarisch, woran das Baselbiet heute leidet. Weiterlesen

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Die Kinder unseres Landes (BaZ)

Kolumne „Rotstab“ in der Basler Zeitung, 14. Februar 2017

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von Adil Koller

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An einem sonnigen Julimorgen kam ich in einem Basler Spital zur Welt. Mein leiblicher Vater stammt aus Pakistan, meine Mutter aus der Waadt. Sie trennten sich nach meiner Geburt rasch, später verliebte sich meine Mutter erneut, in einen Basler, der mich adoptierte und mein Vater wurde. Und so kam es, dass ich als Schweizer Kind mit Schweizer Eltern aufwuchs, aber immer diesen Teint hatte, der nicht so recht dazu passte, sodass ich oft gefragt wurde, woher ich denn sei.

Aber es ist halt einfach so, dass ich seit Geburt den Schweizer Pass habe, nie länger anderswo gelebt habe, ein Kind der Schweiz bin, und zwar genauso wie jene Kinder, deren Urgrosseltern bereits Schweizerinnen und Schweizer gewesen waren. Ich bin ein Kind der Schweiz. Seit Geburt habe ich den Schweizer Pass aber nur deshalb, weil meine Mutter bereits Schweizerin war, und nicht daher, weil ich hier geboren wurde. Denn die heutige Schweiz ist knausrig mit ihren Pässen. Weiterlesen

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Schrotflinte und Rasenmäher (BaZ)

Kolumne „Rotstab“ in der Basler Zeitung, 31. Januar 2017

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von Adil Koller

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Es soll Städterinnen und Städter geben, die glauben, die Haupt­beschäftigung der meisten Menschen im Baselbiet sei das ­Kirschenpflücken. Wohl stimmt das nicht, aber früher, als ich noch Unmengen von Kirschen essen konnte, war ich auch einmal eine Woche Chirsi günne. Vom fernen Unterbaselbiet fahre ich zuerst mit dem Zug, so weit es geht, dann mit dem Bus bis ganz nach oben auf den Hügel. Weit hinten in einem der Oberbaselbieter Täler stehe ich den ganzen Tag auf der Leiter, Korb um Korb mit Chirsi füllend und immer mal wieder eines essend, und dann noch eines und noch eines, und dann noch eines, weil die Gelegenheit gerade da ist, weil man es einfach kann. Man fühlt sich ein bisschen mächtig, so hoch oben auf der Leiter, mit dem weiten Blick, das Schlaraffenland zu Füssen. Und irgendwann ist es dann ein Chrisi zu viel … Es wurde mir grässlich übel, alles Weitere konnte ich verhindern. Eine der Lektionen, die ich als kleiner Bub gelernt habe: die Gelegenheiten nutzen, aber bloss nicht übertreiben. Weiterlesen

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Mein Vater war ein Goalie (BaZ)

Kolumne „Rotstab“ in der Basler Zeitung, 17. Januar 2017

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von Adil Koller

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Wann haben Sie zum letzten Mal bei einem Film geweint? Letzte Woche habe ich mir «Der Goalie bin ig» angeschaut, das auf Berndeutsch verfilmte Werk des Oltner Mundartschrift­stellers Pedro Lenz. Eigentlich ein ­gutmütiger Berner, dieser Goalie, so ­gutmütig, dass ihn sein Umfeld dafür ausnützt. Für einen «Freund» rasch «etwas» abgeholt – und schon sitzt er ein Jahr als Drogenkurier in der Kiste. Danach versucht der Goalie, sein Leben neu zu starten. Gewinnt viel und verliert viel. Weiterlesen

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Es braucht nur ein bisschen Willen (BaZ)

Kolumne „Rotstab“ in der Basler Zeitung, 3. Januar 2017

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von Adil Koller

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Haben Sie auch Vorsätze fürs neue Jahr gefasst? Wie jedes Jahr gehöre auch ich zum gutbürgerlichen Durchschnitt und habe mir vorgenommen, etwas mehr Sport zu machen. Wie alle anderen weiss ich, dass auch im nächsten Jahr kein Spitzenleichtathlet aus mir wird. Ist auch nicht nötig. Aber ein bisschen mehr Sport, das ist gut und tut gut, alles umkrempeln nicht und das geht auch nicht. Wenn man denn ehrlich ist. Weiterlesen

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Schlafkappen braucht es keine (BaZ)

Kolumne „Rotstab“ in der Basler Zeitung, 20. Dezember 2016

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von Adil Koller

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Jeden dritten Monat machen sich ein paar Dutzend Männer und Frauen aus allen ­Teilen Münchensteins auf den Weg zum Kultur- und Sportzentrum. Sie setzen sich dann auf die Stühle vor dem langen, etwas erhobenen Tisch des Gemeinderats, lauschen seinen Ausführungen, ergreifen das Wort, so dass man meint, die Welt ginge bei einem falschen Entscheid ­subito unter. Seit ein paar Jahren besuche auch ich diese Gemeindeversammlung, ein erweitertes Klassentreffen, weil immer etwa die Gleichen da sind und danach noch ein Bierchen trinken. Ich bin lokalpolitisch engagiert, weil ich einer jener Gutmenschen bin, die an die Kraft der Macht im Kleinen glauben. Oder mit dem Bonmot gesagt: Think global, act local. Weiterlesen

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Die DNA der Eidgenossenschaft (BaZ)

Kolumne „Rotstab“ in der Basler Zeitung, 6. Dezember 2016

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von Adil Koller

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In Münchenstein, gegenüber der Grün 80 und dem Ehinger-Park, etwas zerdrückt zwischen der Hauptstrasse von Basel nach Arlesheim, den Tramschienen und der alten Jurabahn-­Linie, also mitten im Unterbaselbieter Siedlungsbrei, liegt eine kleine ­Siedlung mit grauweissen Wohnblöcken. Dort bin ich aufgewachsen. Die Bähnler- und Arbeiter­siedlung ist ein halbes Jahrhundert alt und seither als Genossenschaft organisiert. Die Siedlung gehört keinem Investor, sondern jenen, die sie bewohnen. Alles ist gemeinsam finanziert und organisiert: vom Rasenmäher bis zur Kreissäge im Keller, von der Sanierung der Küche bis zum Ersatz eines Fensters. Aufgaben werden aufgeteilt, alle tragen dazu bei, was sie können und mögen. So bleibt das Wohnen auch bezahlbar. Es gibt Gemeinschaftsräume, einen Bastelraum für ­Hobbyhandwerker, und im Sommer treffen sich ein paar Dutzend Menschen auf der grossen Wiese zum Grillieren. Niemand bleibt alleine. Eine Genossenschaft ist solidarisch. Weiterlesen